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ABGLANZ

Wolfgang Mennel
durchsicht

Wolfgang Mennel • Fotografie

Tonband 1

Tonband 1

 Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal, die Kerze war kaum gelöscht, fielen mir die Augen so rasch zu, daß keine Zeit blieb, mir zu sagen: Ich schlafe ein.

Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Foto: Wolfgang Mennel, Tonband #1

Tonband 2

Tonband 2

 Ich schlief wieder ein und wachte dannmanchmal nur noch für Augenblicke auf, gerade lang genug, um das organische Knacken der Täfelung zu vernehmen, die Augen zu öffnen und auf das Kaleidoskop der Dunkelheit zu richten, dank einem kurzen Aufschimmern des Bewußtseins den Schlaf zu kosten, in den die Möbel versunken waren, das Zimmer, dies Ganze, von dem ich nur ein kleiner Teil war und in dessen Fühllosigkeit ich gleich wieder einging.

Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Foto: Wolfgang Mennel, Tonband #2

Lichtkrümmung

Lichtkrümmung

(...) Ist die Änderung der Flugbahn von Projektilen, die in Wasser einschlagen, mit der Krümmung von Lichtstrahlen beim Eintritt in Wasser verwandt? (...) Haben Sie sich schon mal medizinischen Prozeduren unterzogen, die das Einführen optischer Geräte zur Inspektion Ihrer Innereien erforderten? (...)

Padgett Powell, Roman in Fragen

Foto: nn, Radiologische Praxis

Photographieren

Photographieren

Wenn, wie es häufig geschieht, Menschen auf nebeneinanderstehenden Stühlen sitzen und dabei einige Kinder zwischen ihre Knie geklemmt haben, so kann dieses Bild keinen angenehmen Eindruck machen: die Köpfe der Kinder werden hier zum Verkauf angeboten. Die Eltern scheinen sich übrigens nicht zu bemerken oder nicht zu beachten, sie schauen geradeaus. Allerdings sind sie günstig beleuchtet.


Ror Wolf, Raoul Tranchirers vielseitiger großer Ratschläger für alle Fälle der Welt, Schöffling & Co
Foto: nn, ca. 1915, Wangen im Allgäu

warten

warten

So kann ich davon träumen, wie ich einmal das Gehen lernte. Doch das hilft mir nichts. Nun kann ich gehen; gehen lernen nicht mehr.

Walter Benjamin, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert

Foto: Wolfgang Mennel, um Zweitausendzwanzig

Nature Morte

Nature Morte

Man hat das déjà vu oft beschrieben. Ist die Bezeichnung eigentlich glücklich? Sollte man nicht von Begebenheiten reden, welche uns betreffen wie ein Echo, von dem der Hall, der es erweckte, irgendwann im Dunkel des verflossenen Lebens ergangen scheint.


Walter Benjamin, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert
Foto: Wolfgang Mennel, 3.7.2021

Landschaft 1

Landschaft 1

Wie authentisch sind Bilder, die gemacht, manchmal provoziert werden, um Bilder zu haben, weil das, was auf den Bildern zu sehen ist, ohne Kamera gar nicht passiert wäre? Bürgt die Vielzahl der Bilder dafür, dass das, was sie zeigen, tatsächlich passiert ist?

Kurt Kister, SZ, 24./25.07.2021
Foto: Mennel, 2020

Landschaft 2

Landschaft 2

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

aus: Robert Frost, The road not taken
Foto: Mennel, 2021

Pony

Pony

And I hope my Pony
I hope my Pony
I hope my Pony
Knows the way back home.

Tom Waits, Pony

Foto: Wolfgang Mennel, Pony

Pony

Pony

Nehmen wir die ältesten uns bekannten Bilder (etwa das eines Ponys in Peche-Merle) als Beispiel. Es geht um an Felswänden festgehaltene Anschauungen. Der Bildermacher ist dabei von einem einem Pony zurückgetreten, hat es sich angeschaut, hat das flüchtig Ersehene ins Gedächtnis der Wand eingetragen, und er hat dies so getan, damit andere das Ersehene wiedererkennen.

Vilem Flusser, Krise der Linearität, in: absolute

Foto: Wolfgang Mennel, Pony

Der richtige Augenblick, oder The Hunting Of The Snark

Der richtige Augenblick, oder The Hunting Of The Snark

They sought it with thimbles, they sought it with care;
They pursued it with forks and hope;
They threatened its life with a railway-share;
They charmed it with smiles an soap.

Lewis Carroll, The Hunting Of The Snark
Foto: Wolfgang Mennel, Sehr schnell

Da kommt was zusammen

Da kommt was zusammen

Umbildung von Identität bedeutet immer auch Umbau des Gedächtnisses - auch das gilt, wie wir wissen, für Gemeinwesen nicht weniger als für Individuen.

Aleida Assmann, Erinnerungsräume, 62
Wolfgang Mennel, Generationen verpackt (Detail), Fotografie, Acetathüllen

Nikon

Nikon

Die Nikon D3S gibt Profis Kontrolle über das Unvorhersehbare und erweitert die Möglichkeiten für Action-Fotografen in jeder Situation.

Nikon, Werbung, 2010
Foto: Wolfgang Mennel, Lake Fake

Alles (nichts?)

Alles (nichts?)

Heute kann man alles fotografieren.

Robert Frank
Wolfgang Mennel, Lumière

Das Haus

Das Haus

Denn das Haus ist unser Winkel der Welt. Es ist - man hat es oft gesagt - unser erstes All.

Gaston Bachelard, Poetik des Raumes

Foto: Wolfgang Mennel, Transsylvanien

Kaffeemaschine

Kaffeemaschine

Wohlgemerkt, dem Haus ist es zu danken, daß eine große Zahl unserer Erinnerungen "untergebracht" sind, und wenn das Haus etwas kompliziertere Gestalt annimt, wenn es Keller und Speicher, Winkel und Flure hat, dann bekommen unsere Erinnerungen mehr und mehr charakteristische Zufluchtsorte.

Gaston Bachelard, Poetik des Raumes
Wolfgang Mennel, Ilmenau, Wiesenweg 24 (4)

Sonne und Mond

Sonne und Mond

Denn wenn es zwei Dinge gab, die Watt nicht mochte , so war eins davon der Mond und das andere die Sonne.

Samuel Beckett, Watt

Der Mond ist aufgegangen

Der Mond ist aufgegangen

Passen Sie auf, es ist ein Foto, also ist es wahrscheinlich gefälscht.

Joan Fontcuberta

Nichts weiter 1

Nichts weiter 1

Nichts weiter. Vielleicht ein wenig blau, bläulich, und alles seitwärts sich bewegend.

Foto: Wolfgang Mennel

Nichts weiter 2

Nichts weiter 2

Nichts weiter. Vielleicht ein Baum weit hinten; und Matsch in der Fläche.

Foto: Wolfgang Mennel

Nichts weiter 3

Nichts weiter 3

Nichts weiter. Eine Wolke, sonst nichts, noch eine Wolke, beides nicht mit sich identisch, in sich bewegliches Wasser.

Foto: Wolfgang Mennel

Oberfläche des fotografischen Bildes

Oberfläche des fotografischen Bildes

Die letzte Weisheit des fotografischen Bildes lautet: "Hier ist die Oberfläche. Nun denk darüber nach – oder besser: erfühle, erkenne intuitiv – was darunter ist, wie eine Realität beschaffen sein muß, die so aussieht."

Susan Sontag, Über Fotografie, p 27
Foto: Wolfgang Mennel, Fototransfer, Fotografie, Öl, Rost auf Metall

Unterführung, Siracusa

Unterführung, Siracusa

Die Moralisten verlangen von einer Fotografie etwas, was keine Fotografie jemals leisten kann: daß sie spricht. Die Bildunterschrift ist die fehlende Stimme, und es wird von ihr erwartet, daß sie für die Wahrheit spricht. Aber selbst eine völlig korrekte Bildunterschrift ist nicht mehr als eine unter vielen möglichen Interpretationen der Fotografie (...)

Susan Sontag, Über Fotografie, p 103

Familienlandschaft

Familienlandschaft

Eine Fotografie ist fossiliertes Licht.

William J. Mitchell, The Reconfigured Eye, in Bernd Stiegler, Bilder der Photographie, p 93

Gedächtnis

Gedächtnis

Das Gedächtnis ist nicht ein Instrument zur Erkundung der Vergangenheit, sondern ihr Schauplatz. (...) Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muß sich verhalten wie ein Mann, der gräbt.

Walter Benjamin, Berliner Chronik, in: Bernd Stiegler, Bilder der Photographie, p 93f

punctum

punctum

„Das zweite Element durchbricht (oder skandiert) das studium. Diesmal bin nicht ich es, der es aufsucht (wohingegen ich das Feld des studium mit meinem souveränen Bewußtsein ausstatte), sondern das Element selbst schießt wie ein Pfeil aus seinem Zusammenhang hervor, um mich zu durchbohren. […] Das zweite Element, welches das studium aus dem Gleichgewicht bringt, möchte ich daher punctum nennen; den punctum, das bedeutet auch: Stich, kleines Loch, kleiner Fleck, kleiner Schnitt - und Wurf der Würfel. Das punctum einer Photographie, das ist jenes Zufällige an ihr, das mich besticht (mich aber auch verwundet, trifft).“

Roland Barthes, Die helle Kammer

studium

studium

„Aus studium interessiere ich mich für viele Photographien, sei es, indem ich sie als Zeugnisse politischen Geschehens aufnehme, sei es, indem ich sie als anschauliche Historienbilder schätze: denn als Angehöriger einer Kultur (diese Konnotation ist im Wort studium enthalten) habe ich teil an den Figuren, an den Mienen, an den Gesten, an den äußeren Formen, an den Handlungen.“

Roland Barthes, Die helle Kammer

Verlorene Gegenstände, deformierte Formen.
Menschen, Memoria, aus dem Familienalbum
Gefrorene Zeit
Traurige Trope